28.11.2014, 00:00

Nachtasyl - Rauschen II

RAUSCHEN II
Kammermusik~Elektronik

28.11.2014 · Einlass 21:30 Uhr
Nachtasyl (Thalia Theater am Alstertor)
VVK: 13 Euro · AK: 16 Euro

mit:
Anne von Twardowski (Klavier)
Sonja Lena Schmid (Cello)
Carola Schaal (Klarinette)
Gordian (Live-Elektronik)

Supporting DJs:
Tilman Tausendfreund (dérive / Frank Music)
Mischa Kreiskott (NDR Kultur)


Das erfolgreiche Experiment geht in die zweite Runde: am 28.11. trifft im Nachtasyl Kammermusik von Brahms und Janácek auf Live-Elektronik. Konzert und Party: „Rauschen“ ist beides.

Pianistin Anne von Twardowski und Cellistin Sonja Lena Schmid, Initiatorinnen des Projekts, führen ein Konzept weiter, das sich weit von gängigen Crossover-Formaten abhebt: Herzstück von „Rauschen“ wird diesmal Johannes Brahms morbid-romantisches Trio für Klarinette, Cello und Klavier sein, gefolgt von „Pohadka“(„Märchen“) des tschechischen Komponisten Léos Janácek. In diesem Werk voll eigenwilliger Poesie findet sich auch die Schnittstelle, die „Rauschen“ so besonders macht: im Verklingen der Musik werden sich elektronische Klänge ihren Weg suchen und in Interaktion mit den klassischen Instrumenten treten. Bruchstücke der eben gehörten Musik verbinden sich mit ganz neuen Elementen – und schließlich geht das Konzert in ein DJ-Set über, welches das eben noch konzentriert zuhörende Publikum zum Tanzen bringt und dem Titel „Rauschen“ alle Ehre macht.

Die Resonanz auf die Premiere im April war überwältigend. „Mit einem solchen Ansturm haben wir kaum gerechnet“, sagt Sonja Lena Schmid. „Und dann war es wirklich ein Erlebnis, in dieser unglaublichen Atmosphäre aufzutreten, es ist viel unmittelbarer als in einem normalen Konzertsaal. Ich glaube, auch für das Publikum ist diese Nähe etwas Besonderes“. Die Initiatorinnen finden es dennoch spannend, am Konzept weiter zu feilen. „Jedes Rauschen soll seine eigene Farbe, seine eigene innere Logik haben“ sagt Anne von Twardowski. Schon durch dies Auswahl der Werke und den Stil und die Arbeitsweise des jeweiligen DJs ergäben sich ganz neue Möglichkeiten- „Insbesondere die Musik von Janácek mit ihrer repetiven Klangsprache lässt spannende Verbindungen mit elektronischen Elementen zu. Es ist aufregend, das gemeinsam zu entwickeln“.

Ein solches musikalisches Wagnis ist nur möglich mit Musikern, die in unterschiedlichen Genres zu Hause sind und Spaß an musikalischen Grenzgängen haben.

Anne von Twardowski und Sonja Lena Schmid, weltweit als Mitglieder des Quartetts „Salut Salon“ erfolgreich, lieben es, klassische Musik in neue Zusammenhänge zu stellen, sei es in Theaterprojekten, im Songwriting oder der elektronischen Avantgarde.

Für die zweite Ausgabe von „Rauschen“ haben sie starke Mitstreiter gefunden. Die Klarinettistin und Performerin Carola Schaal hat sich sowohl als Interpretin klassischer als auch aktueller Musik einen Namen gemacht, etwa mit der Avantgarde-Formation „Decoder“.

Gordian Gleiss aka Gordian ist nach Jahren in London noch ein Geheimtipp in der Hamburger Szene. Neben seinen Auftritten mit Live-Elektronik und als DJ komponiert und produziert er Bühnenmusiken, etwa für das Hamburger Thalia Theater. Tilman Tausendfreunds musikalische Erfahrungen rangieren in einem experimentellen wie genreübergreifenden Feld. In Hamburg ist er bekannt für seine vielschichtigen House-DJ-Sets. Neu am Konzept ist auch, dass das Publikum bereits vor Beginn des Konzerts musikalisch eingestimmt wird durch eine Musikauswahl von Mischa Kreiskott, dessen Sendung xxx auf NDR Kultur sich regelmäßig mit dem Phänomen New Classics auseinandersetzt.

Eine Hauptrolle spielt auch diesmal das Nachtasyl, die Theaterbar des Thalia Theaters, einem perfekten Ort für ungewohnte Stil-Fusionen. Mit seinem nostalgischem Charme und einer gewissen Grandezza ist er bestens geeignet für klassische Kammerspiele wie auch rauschende Feste. Wohl nirgendwo in Hamburg lässt es sich stilvoller dem Morgen entgegenfeiern als hier, hoch über den Dächern der Stadt.